Eigene Platinen herstellen


Wie funktioniert's:


Wenn so eine Platine wie im Bild links entstehen soll, dann habt ihr viel Arbeit vor euch. Das wichtigste an der ganzen Sache ist, das ihr viel Gedult habt und euch dabei viel Zeit nehmt.

Zuerst braucht ihr ein CAD-Programm, mit dem ihr euer Layout zeichnen könnt. Da gibt es viele z.B. Eagle von CAD-Soft, Target vom Ing.-Büro FRIEDRICH oder einfach SPrint-Layout von ABACOM. Diese Programme unterstützen auch das automatische generieren von Masseflächen - solltet ihr unbedingt ausnutzen. Den je weniger Kupfer von der Platine weggeätzt werden muss, um so mehr Platinen könnt ihr mit der Ätzlösung herstellen. Doch dazu später mehr...

Aus dem gezeichneten Layout müsst ihr einen Ausdruck auf Klarsichtfolie erstellen. Der Ausdruck muss wirklich perfekt sein. Wenn ihr die Folie vor eine Lampe haltet, dann darf durch die Leiterbahnen kein Licht zu sehen sein - Also ihr müsst absolut schwarz sehen. Wenn das euer Drucker nicht schaft, dann erstellt einfach eine PDF-Datei aus euerem Layout. Ihr könnt euch dazu PDF995 saugen. Das Programm installiert sich als zusätzlicher Drucker. Also einfach das Layout auf dem "PDF-Drucker" ausdrucken - fertig. Mit euerem PDF geht ihr dann zu einer Druckerei. Die erstellen einen Film vom Layout. 7,50 Euro pro DIN A4-Seite musste ich löhnen und habe dafür einen astreinen Ausdruck erhalten.


Belichtungsgerätschaft:


Zum Belichten wird eine UV-Lampe oder ein Belichtungsgerät benötigt. Ich selbst verwende die Ultra-Vitalux von Osram. Bitte bedenkt, das diese Lampe 300 Watt aus dem Stromnetz saugt und im Betrieb sehr heiß wird. Also nicht einfach in die nächste Stehlampe schrauben, denn das hält die Lampenfassung im Normalfall nicht aus. Die Fassungen sind meistens blos bis 60 oder 100 Watt ausgelegt. Sucht in der Elektroabteilung im Baumarkt um die Ecke, nach einer Metallfassung - damit funktioniert's. Verwendet für den Anschluß ein Bügeleisenkabel. Bei "normalen" Kabeln könnte die Isolierung der Leitung durch die Hitze wegschmelzen. Schutzleiter des Kabels (gelb-grün) unbedingt mit anschließen. Zusätzlich wird noch eine Glasplatte und eventuell ein paar Gewichte zum Beschweren gebraucht.


Belichten:


Auf der fotobeschichteten Seite der Leiterplatte ist eine Schutzfolie, die ihr vorsichtig entfernen müsst. Eine Dunkelkammer muss deshalb nicht eingerichtet werden. Aber in der prallen Sonne muss es ja auch nicht sein. Ihr dürft die Fotoschicht auf keinen Fall mit den Fingern berühren, sonst ist unter Umständen euer Fingerabdruck später im Kupfer zu sehen. Legt die Platine mit der Foto-Seite nach oben auf den Tisch und die Layout-Folie darüber. Dann das Ganze mit der Glasplatte abdecken, damit die Folie ohne Zwischenräume aufliegt. Zusätzlich könnt ihr noch Gewichte auflegen wie z.B. im Bild links. Euere Lampe müsst ihr jetzt senkrecht über der Platte anbringen. 30cm Abstand sind OK. Wenn ihr ein Belichtungsgerät habt, dann schaut in die Bedienungsanleitung, da steht's bestimmt drin wie's geht.

Beim Belichten scheiden sich die Geister. Ich hatte schon Platinen, bei denen 6 Minuten ausreichend waren. Andere, wie z.B. die von Bungard musste ich 20 Minuten bestrahlen. Sägt einfach mal eine Platte in Streifen und probiert veschiedene Belichtungszeiten aus.


Entwickeln:


Eine einfache Plastikschale tut es auf jeden Fall. Den Entwickler bekommt ihr ja im Elektronikgeschäft. Richtet das Entwicklerbad am besten vor dem Belichten ein, damit das Pulver genug Zeit hat sich aufzulösen. Das Wasser sollte nicht zu kalt aber auch nicht heiß sein. Ich sag' einfach mal so 15 bis 20 Grad sind OK.

Jetzt kommt die Platine mit der Leiterbahnseite nach oben in das Bad. Bei Doppelseitigen Platten ist natürlich eine Seite unten - is ja logisch - Platte dann zwischendrin mal umdrehen. Schon nach kurzer Zeit löst sich die belichtete Fotoschicht von der Platte. Ich hoffe, man kann das auf dem Bild rechts ein bischen erkennen. Die Platte zwischendurch mal anheben, damit die Fotolackteile wegschwimmen. Der Entwicklungsvorgang ist beendet, wenn zwischen den Leiterbahnen das Kupfer zu sehen ist. Platte dann gründlich mit Wasser abspülen, aber die Leiterbahnseite dabei nicht berühren! Ein Bild einer fertig entwickelten Leiterplatte findet ihr hier.


Ätzen


Ich habe mir hier eine kleine Ätzmaschine für 1,25 Liter Flüssigkeit besorgt. Ihr könnt das aber auch in einer Plastikschale erledigen, das haut genauso hin. Dauert aber wesentlich länger. Als Ätzmittel könnt ihr Natriumpersulfat, Seno Feinkristall, oder Eisen III Chlorid verwenden. Wobei aus letzterem eine Dreckbrühe entsteht, die man nicht unbedingt in die Atzmaschine füllen sollte. Dieses Maschinchen hat eine Heizung, sowie ein Pumpe, die Luftblasen im Ätzbad erzeugt. Dadurch wird der Ätzvorgang beschleunigt und außerdem gleichmäßiger. Die Platine ist fertig, wenn das Kupfer zwischen den Leiterbahnen verschwunden ist. Jetzt muss die Platte nur noch mit Wasser abgespült werden. Eine fertig geätzte Platte seht ihr hier.




Nachbearbeitung:


Auf den Leiterbahnen befindet sich noch der Fotolack. Also einfach noch mal die Platte unter die Lampe und danach wieder in den Entwickler. Jetzt strahlt die Platine in hellem Kupfer. Damit das Kupfer nicht anläuft bekommt die Platine noch einen Überzug mit Lötlack z.B. SK10 (Kontakt Chemie). Nach dem Trocknen bohrt ihr euere Löcher, dann Teile drauf - und fertig.

(C) Doc 2010